Stiftung finanziert Kältetechnik-Lehrstuhl

Das ist neu: An der Hochschule Hof gibt es nun eine Stiftungs-Professur. Doch ist die Förderung von Wissenschaft nicht eigentlich eine Kernaufgabe des Staates?

Hof – Die Hans Viessmann Technologie Stiftung setzt einen neuen Akzent in der Geschichte der Hochschule Hof: Sie ermöglicht eine Stiftungs-Professur für Kältetechnik. Der Lehrstuhl, der an der Fakultät Ingenieurwissenschaften angesiedelt ist, hat bereits seine Arbeit aufgenommen. Die finanzielle Förderung ist auf sechs Jahre ausgelegt – mit einer Verlängerungsoption. Hochschul-Präsident Professor Jürgen Lehmann wertet das Engagement der Stiftung als wichtiges Signal, dass seine Einrichtung Rückhalt in der Region hat. Es sei die erste Stiftungs-Professur an der Hochschule, sagte er am Dienstag bei einem Pressegespräch in Hof. „Die Hans Viessmann Technologie Stiftung nimmt somit eine Vorreiterrolle ein.“ Er führe aktuell vielversprechende Gespräche mit weiteren potenziellen Förderern, berichtete Lehmann. Geht es nach ihm, soll es an der Hochschule bis 2017 zwei weitere Stiftungs-Professuren geben.

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Neue Perspektiven für die Hochschule Hof: Präsident Professor Jürgen Lehmann (links) und Professor Thomas Schlosser (Mitte) freuen sich über das Engagement der Hans Viessmann Technologie Stiftung, die von Rainer Schmidt, Dieter Döhla und Werner Mergner (von links) vertreten wird. Foto: Matthias Will

Werner Mergner, der dem Vorstand der in Hof ansässigen Hans Viessmann Technologie Stiftung angehört, unterstrich: „Wir sind froh und stolz, dass wir die Hochschule mit einer Stiftungs-Professur für Kältetechnik fördern können.“ Diese Entscheidung sei ganz im Sinne des verstorbenen Stiftungsgründers Dr. Hans Vießmann, der stets ein großer Förderer von Universitäten und Hochschulen gewesen sei. Hans Vießmann sei nicht nur Unternehmer, sondern auch ein herausragender Tüftler gewesen. Hans Vießmann war der Vater von Professor Martin Viessmann, Chef der Viessmann Gruppe mit Stammsitz im hessischen Allendorf und Vorstandsvorsitzender der Hans Viessmann Technologie Stiftung.

Letztere war Eigentümerin der Hofer Viessmann Kältetechnik AG, ehe das Unternehmen 2012 von den hessischen Viessmann Werken übernommen worden war. Zur Strategie des Firmenverbunds, der weltweit 11 600 Mitarbeiter beschäftigt und zuletzt einen Jahresumsatz in Höhe von 2,2 Milliarden Euro erwirtschaftete, gehört eine enge Verzahnung von Heiz- und Kältetechnik.

Rainer Schmidt, der ebenfalls Vorstandsmitglied der Hans Viessmann Technologie Stiftung ist, sagte, Bildung sei für Deutschland der wichtigste Rohstoff. Durch die Stiftungs-Professur werde der Forschungs- und Bildungsstandort Hof gestärkt.

Stiftungs-Geschäftsführer Dieter Döhla betonte, die Förderung der Ingenieurwissenschaften sei ausdrücklich ein Zweck der Stiftung. „Wir investieren mit der Professur in den Wissenschaftsstandort Hof. Das ist auch eine Bekenntnis unserer Stiftung zur Region“, hob er hervor. Lehrstuhlinhaber ist Professor Thomas Schlosser. Zum Lehrspektrum gehören nicht nur Grundlagen der Kältetechnik, sondern auch Energieeffizienz, Gebäudetechnik, Maschinenbau und das Zusammenspiel von Kälte- und Wärmetechnik. Er sehe sich als Ansprechpartner für sämtliche Unternehmen, die sich mit derartigen Feldern beschäftigen, sagte Schlosser.

Die interdisziplinäre Ausrichtung des Lehrstuhls Kältetechnik passe ausgezeichnet zum Profil der Hochschule, zeigte sich Präsident Lehmann überzeugt. Er verwies dabei auf die Schwerpunkte der drei Forschungsinstitute seiner Einrichtung, die in den Feldern Informationssysteme, Materialwissenschaften und Wasser- und Energiemanagement liegen. Die Kombination aus Technik und Informationstechnologie werde künftig eine immer bedeutendere Rolle spielen, erläuterte Lehmann. Deshalb werde die Digitalisierung auch beim neuen Lehrgebiet Kältetechnik eine große Rolle spielen.

Die Förderung von Wissenschaft und Forschung ist eigentlich eine der Kernaufgaben des Staates. Doch Unternehmen sponsern Hörsäle, Professoren buhlen heftig um Drittmittel und Stiftungen finanzieren Lehrstühle – besteht da nicht die Gefahr einer gewissen Auslagerung dieser zentralen Aufgabe an externe Akteure? Hochschul-Präsident Lehmann antwortete darauf, die Freiheit von Wissenschaft und Forschung werde etwa durch Hörsaal-Sponsoring oder Stiftungs-Professuren nicht verletzt. Die Hochschule und ihre Professoren seien weisungsunabhängig. Allerdings machte er deutlich: „Die Zeiten des Elfenbeinturms sind vorbei. Wir müssen auch in der Region verwurzelt sein und etwas Positives für sie bewirken.“ Die Kooperation zwischen Hochschule und Wirtschaft sei dabei ein maßgeblicher Faktor.

Lehmann ist der Ansicht, dass in Deutschland oft reflexartig nach dem Staat gerufen wird. „Aber der Staat muss nicht alles regeln. Sonst muss man sich über seine steigenden Ausgaben nicht wundern.“ Der Präsident beklagte, in der Wirtschaft herrsche zuweilen noch die Mentalität, man müsse nichts in Forschung und Wissenschaft investieren – nach dem Motto: „Ich zahle ja schon genug Steuern“. Um die künftigen Herausforderungen meistern zu können, seien jedoch verstärkt gemeinschaftliche Anstrengungen nötig. Stiftungs-Geschäftsführer Dieter Döhla erklärte, die Finanzierung des Lehrstuhls durch seine Einrichtung sei nicht für die Ewigkeit geplant. Nach einigen Jahren solle der Staat diese Aufgabe übernehmen.

Professor mit Lehre

Thomas Schlosser, 41, absolvierte eine Lehre zum Gas- und Wasserinstallateur bei der Firma Wiegel in Kulmbach. Danach studierte er Maschinenbau in der Fachrichtung Technische Gebäudeausrüstung an der TU Dresden. Später war der gebürtige Zwickauer wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Gebäudeenergetik der Uni Stuttgart und arbeitete für eine Firma in Baden-Württemberg. Zuletzt lehrte der Stiftungs-Professor das Fach Technische Gebäudeausrüstung an der Hochschule Hof.